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# OT-Wochenbericht Strom und Energie, KW 43/2026
Berichtszeitraum 16.10.2026 bis 23.10.2026 · Für: Netzbetreiber, Stadtwerke, Erzeuger, Energieversorger · TLP:CLEAR (öffentliche Quellen)
Lage: hoch

## Executive Summary
Uns ist im Berichtszeitraum (16. bis 23.10.) kein bestätigter Cyberangriff auf Netzleittechnik, Umspannwerke oder Erzeugungsanlagen im DACH-Raum bekannt. Am 15.10. veröffentlicht und am 16.10. in den KEV-Katalog aufgenommen wurde eine Lücke in BeyondTrust Remote Support, die schon vor der Veröffentlichung ausgenutzt wurde; die zwei bekannten Kompromittierungen datiert BeyondTrust auf den 29.08.2026. Laut Rapid7 ordnet Mandiant die Aktivität aus seiner Untersuchung ARMORY CASTLE zu, einem mutmaßlich China-nahen Spionageakteur (früher UNC5221). Bei Palo Alto GlobalProtect beobachtet Unit 42 Ausnutzungsversuche und Angriffe durch Ransomware-Betreiber, darunter Qilin und Inc; seine Untersuchungen seit Anfang Juni umfassen zahlreiche Branchen, darunter Versorgung und Energie. Mit dem SafePay-Advisory vom 20.10. warnen FBI, CISA, US Secret Service, LKA Rheinland-Pfalz sowie die britische National Crime Agency und die North West Regional Organised Crime Unit vor einer Gruppe, von der seit August 2024 mindestens 600 Organisationen aus mehreren Sektoren kritischer Infrastruktur betroffen sind. Als Zugangswege nennt das Advisory gestohlene oder erratene Passwörter, ausgenutzte Schwachstellen und Phishing.
Für die Stations- und Fernwirktechnik hat CISA am 20.10. zwei Advisories von Hitachi Energy neu veröffentlicht. Beim RTU500 lässt eine Lücke die CMU bei Generalabfragen (GI) in kurzen Abständen abstürzen, beim MicroSCADA X SYS600 können Nutzer mit Zugriff auf die Engineering-Tools ihre Rechte bis zum Windows-Administrator ausweiten. Laut CISA-Advisory vom 22.10. gibt es acht CVEs (Typen laut CISA: Eval Injection und Cross-Site Scripting) im Webserver von SIMATIC S7-1500 und ET 200SP, für die es für einen großen Teil der Produkte noch keinen Fix gibt; Siemens bereitet Fixes vor und empfiehlt bis dahin Gegenmaßnahmen. Angreifer können damit SPS-Operationen im Rahmen der Rechte des angemeldeten Nutzers ausführen. Vorrang haben in dieser Woche Fernwartung und VPN. Die Firmware-Updates für Stationstechnik gehören in die nächste Wartungsplanung.
Gesamtbewertung: Die Lage ist hoch, weil zwei Fernzugangs-Produkte betroffen sind: BeyondTrust Remote Support, dessen Ausnutzung Mandiant laut Rapid7 einem mutmaßlich China-nahen Spionageakteur zuordnet, und Palo Alto GlobalProtect, bei dem Unit 42 Ausnutzungsversuche durch Ransomware-Betreiber beobachtet. Dazu kommt die Ransomware-Gruppe SafePay, die laut Advisory über gestohlene oder erratene Passwörter, ausgenutzte Schwachstellen und Phishing einsteigt. Vorrang hat die Prüfung von BeyondTrust und GlobalProtect auf Kompromittierung, nicht nur das Patchen.
Empfehlung an die Geschäftsführung: Die Geschäftsführung sollte diese Woche schriftlich bestätigen lassen, dass jeder externe Zugang zur Leittechnik bekannt, gepatcht und auf Kompromittierung geprüft ist. Das hat Vorrang vor neuen Projekten, weil die aktuellen Angriffe genau dort ansetzen.

## Relevanz im Überblick
Nr.ThemaWoRelevanzHandlungFrist
L-01BeyondTrust Remote Support: Zero-Day laut Mandiant von mutmaßlich China-naher Gruppe ausgenutzt, KEV seit 16.10. (CVE-2026-102764)Fernwartungs-Zugang zur Leittechnik, wo BeyondTrust dafür genutzt wirdKRITISCHPatch BT26-05-RS einspielen, Appliance auf Kompromittierung prüfen, hinterlegte Zugangsdaten wechselnsofort
L-02Palo Alto GlobalProtect (CVE-2026-0257): Unit 42 beobachtet Ausnutzungsversuche durch Ransomware-Betreiber Qilin und IncVPN-Gateway und Firewall vor dem LeittechniknetzHOCHFixed Release prüfen, GlobalProtect-Logs nach IoCs durchsuchen, Management-Interface auf Ports 4443/3879 von außen testensofort
L-03SafePay-Ransomware: FBI, CISA, US Secret Service, LKA Rheinland-Pfalz, NCA und NWROCU warnen gemeinsam (AA26-293A)Edge Devices, Backup/NAS der Unternehmens-ITHOCHMFA am VPN erzwingen, Patchstand der genannten Edge-CVEs prüfen, NAS-Backups offline sichern1 Woche
L-04Hitachi Energy RTU500: Generalabfragen in kurzen Abständen lassen die CMU abstürzen (ICSA-26-293-05)Fernwirktechnik in Umspannwerken und StationenHOCHFirmware-Stand der RTU500-CMU erfassen, Update auf die Fix-Version des jeweiligen Firmware-Zweigs laut Advisory einplanen2 Wochen
L-05Siemens SIMATIC S7-1500 und ET 200SP: acht CVEs im Webserver, für einen großen Teil der Produkte noch kein Fix (ICSA-26-295-14)SPS in Erzeugungsanlagen, Kraftwerksnebenanlagen, NetzstationenHOCHWebserver der CPUs abschalten, wo nicht nötig, sonst Ports 80/443 auf feste IPs beschränken1 Woche
L-06Hitachi Energy MicroSCADA X SYS600: Rechteausweitung bis zum Windows-Administrator (ICSA-26-293-04)Stationsleittechnik und Netzleitstelle (SYS600-Server)MITTELAuf 10.8 aktualisieren (CVE-2026-9852) und für die übrigen CVEs die Herstellerhinweise im Advisory beachtenQuartal

## Exponierte OT-Systeme (Shodan)
Exponierte OT-Systeme (Shodan, Stand 23.10.2026):

Region
Gesamt
Top-Protokolle

Deutschland
144393
DNP3: 33922, OMRON FINS: 24335, ProConOS: 16607, Siemens S7: 8039, OPC UA: 5548

Österreich
4715
HMI/VNC: 1070, DNP3: 969, IEC-104: 455, Siemens S7: 365, OPC UA: 141

Gezählt werden aus dem Internet erreichbare Dienste typischer OT-Protokolle. Die Zahlen sind ein Indikator für Angriffsfläche, kein Nachweis einer Verwundbarkeit. Keine Einzelsysteme genannt. Siemens S7 = Port 102 (alle ISO-TSAP-Dienste, nicht nur echte S7-Steuerungen), OPC UA = Standardport 4840.

## Lage im Detail

### L-01 BeyondTrust Remote Support: Zero-Day laut Mandiant von mutmaßlich China-naher Gruppe ausgenutzt, KEV seit 16.10. (CVE-2026-102764)
KRITISCH · Rapid7 / BleepingComputer (Mandiant, CISA KEV), 16.10. (https://www.rapid7.com/blog/post/etr-cve-2026-102764-critical-beyondtrust-remote-support-authentication-bypass-exploited-in-the-wild/)
Was ist neu: Angreifer umgehen ohne Konto die Anmeldung und erhalten Admin-Rechte (CVSS 4.0 9,3). Die Lücke wurde am 15.10. veröffentlicht, am 16.10. in den KEV-Katalog aufgenommen und schon vor der Veröffentlichung ausgenutzt; die zwei bekannten Kompromittierungen datiert BeyondTrust auf den 29.08.2026, eine gehostete Instanz und eine selbst betriebene Appliance. Laut Rapid7 ordnet Mandiant die Aktivität aus seiner Untersuchung ARMORY CASTLE zu, einem mutmaßlich China-nahen Spionageakteur (früher UNC5221). Dieser legt die Webshell SAWFLY und den Tunneler BARECLAW ab, versucht den Credential Vault auszulesen und löscht Logs. CISA hat die Lücke am 16.10. in den KEV aufgenommen und verlangt eine forensische Prüfung.
Bedeutung: Wo BeyondTrust als Fernwartungszugang genutzt wird, liegen im Vault häufig Zugangsdaten für OT-Jump-Hosts. Wer dort eindringt, kann direkt bis zur Netzleittechnik weiterkommen.
Empfehlung: Laut Rapid7 rät Mandiant, vor Änderungen Beweise zu sichern, verdächtige Appliances zu isolieren und sie aus einem sauberen, gepatchten Image neu aufzubauen, wenn eine Kompromittierung bestätigt ist oder sich nicht ausschließen lässt. Alle im Vault gespeicherten Zugangsdaten wechseln (CC4). Danach die Logs der Jump Hosts seit Ende August nach Lateral Movement durchsuchen (CC1).

### L-02 Palo Alto GlobalProtect (CVE-2026-0257): Unit 42 beobachtet Ausnutzungsversuche durch Ransomware-Betreiber Qilin und Inc
HOCH · Palo Alto Networks Unit 42, 20.10. (https://unit42.paloaltonetworks.com/active-exploitation-of-pan-os-cve-2026-0257/)
Was ist neu: Unit 42 beobachtet Ausnutzungsversuche und Angriffe durch Ransomware-Betreiber, darunter Qilin (Spikey Scorpius) und Inc (Tarnished Scorpius); Settra wird nur in öffentlichen Berichten genannt. Seine Untersuchungen seit Anfang Juni umfassen zahlreiche Branchen, darunter Versorgung und Energie (utilities and energy). Neu ist der Hinweis, dass GlobalProtect-Profile auf dem Management-Interface dieses unbemerkt über die Ports 4443 und 3879 ins Internet stellen können.
Bedeutung: Gelingt eine VPN-Session, stehen Angreifer im Netz hinter dem Gateway. Wo GlobalProtect vor dem Leittechniknetz steht, ist das ein direkter Einstieg.
Empfehlung: Von einem externen Anschluss aus testen, ob das Management-Interface auf 4443/3879 erreichbar ist, und den Zugriff auf das Nötigste beschränken (CC2). GlobalProtect-Logs nach den Gerätenamen GP-CLIENT und DESKTOP-GP01 sowie nach leerer Domain durchsuchen. Bei Treffern Incident Response auslösen (CC1).

### L-03 SafePay-Ransomware: FBI, CISA, US Secret Service, LKA Rheinland-Pfalz, NCA und NWROCU warnen gemeinsam (AA26-293A)
HOCH · CISA (govdelivery-Bulletin), BleepingComputer, 20.10. (https://www.bleepingcomputer.com/news/security/cisa-and-fbi-safepay-ransomware-has-hit-over-600-critical-infrastructure-organizations/amp/)
Was ist neu: Seit August 2024 sind mindestens 600 Organisationen aus mehreren Sektoren kritischer Infrastruktur von SafePay betroffen, auch in Europa. Initial Access läuft laut Advisory über gestohlene oder erratene Passwörter, ausgenutzte Schwachstellen, darunter CVE-2020-3259 und CVE-2024-40766, und Phishing. Nach unserer Einordnung betreffen diese CVEs u. a. VPN-Systeme. Die Angreifer schalten Sicherheitsfunktionen ab, um unentdeckt zu bleiben. Herausgeber sind FBI, CISA, US Secret Service, LKA Rheinland-Pfalz sowie die britische National Crime Agency und die North West Regional Organised Crime Unit; die Erkenntnisse stammen aus Ermittlungen von FBI, USSS und LKA Rheinland-Pfalz.
Bedeutung: Das LKA Rheinland-Pfalz hat selbst zu SafePay ermittelt, die Gruppe ist also auch in Deutschland aktiv. Bei Stadtwerken legt ein Angriff auf die IT zwar meist nicht das Netz lahm, aber Abrechnung, Kommunikation und Fernwartung. Fehlen dann die Backups, dauert der Wiederanlauf Wochen.
Empfehlung: VPN-Zugänge ohne MFA abschalten und die im Advisory genannten CVEs im Asset-Inventar abgleichen (CC5). Den Wiederanlauf aus Backups für die Systeme an der Grenze zur Leittechnik üben (CC1).

### L-04 Hitachi Energy RTU500: Generalabfragen in kurzen Abständen lassen die CMU abstürzen (ICSA-26-293-05)
HOCH · CISA / Hitachi Energy PSIRT, 20.10. (https://www.cisa.gov/news-events/ics-advisories/icsa-26-293-05)
Was ist neu: CISA hat am 20.10. das Hitachi-Advisory vom 01.09. (Revision 29.09.) veröffentlicht. Betroffen ist die CMU-Firmware 12.7.1 bis 12.7.7 und 13.5.1 bis 13.8.2. Mit CVE-2026-17539 (CVSS v3.1 5,9) lässt eine Lücke die CMU bei Generalabfragen (GI) in kurzen Abständen abstürzen. Dazu kommen Lücken in OpenSSL, libxml2 und libcurl bis CVSS 8,8. Die Kopfzeile nennt 7 Lücken, im Text stehen 9 CVEs.
Bedeutung: Die RTU500 ist in DACH eine verbreitete Fernwirk- und Stationsleiteinheit. Stürzt die CMU ab, sieht die Netzleitstelle die Station nicht mehr und kann nicht mehr schalten. Einen Workaround ohne Firmware-Update gibt es nicht.
Empfehlung: Betroffene Geräte im Asset-Inventar markieren und das Update nach Kritikalität der Station in die Wartungsfenster legen (CC5). Bis dahin prüfen, ob die 104-Verbindungen nur zwischen festen Endpunkten erlaubt sind (CC2).

### L-05 Siemens SIMATIC S7-1500 und ET 200SP: acht CVEs im Webserver, für einen großen Teil der Produkte noch kein Fix (ICSA-26-295-14)
HOCH · CISA / Siemens ProductCERT, 22.10. (https://www.cisa.gov/news-events/ics-advisories/icsa-26-295-14)
Was ist neu: CVE-2026-63350 bis -63357 betreffen alle Versionen. Das CISA-Advisory vom 22.10. nennt zahlreiche Produkte, darunter S7-1500, ET 200SP, Drive-, Open- und Software-Controller sowie PLCSIM Advanced. Es sind acht CVEs (Typen laut CISA: Eval Injection und Cross-Site Scripting). Ein Angreifer kann Schadcode in der Browser-Sitzung eines berechtigten Nutzers ausführen und damit SPS-Operationen im Rahmen der Rechte des angemeldeten Nutzers ausführen (CVSS v3 bis 9,6). Siemens rät u. a., nur vertrauenswürdige Trace-Dateien hochzuladen. Siemens bereitet Fixes vor, Energie ist als Sektor genannt.
Bedeutung: Die S7-1500 ist eine weit verbreitete SPS-Familie und steckt nach unserer Einordnung in BHKW, Wasserkraft, Biogas und Nebenanlagen von Umspannwerken. Für den Angriff braucht es einen angemeldeten Nutzer im Browser. Bei Dienstleistern, die Trace-Dateien per Mail austauschen, ist das nach unserer Einschätzung ein realistischer Weg.
Empfehlung: Webserver auf allen CPUs inventarisieren und deaktivieren, wo er nicht gebraucht wird (CC5). Wo er bleiben muss, nur aus dem Engineering-Netz erreichbar machen und Trace-Dateien nur aus bekannter Quelle importieren (CC2).

### L-06 Hitachi Energy MicroSCADA X SYS600: Rechteausweitung bis zum Windows-Administrator (ICSA-26-293-04)
MITTEL · CISA / Hitachi Energy PSIRT, 20.10. (https://www.cisa.gov/news-events/ics-advisories/icsa-26-293-04)
Was ist neu: Betroffen sind die Versionen bis 10.8. Mit CVE-2026-9853 erreichen Nutzer mit Betriebssystem-Zugang Anwendungsobjekte ohne SYS600-Anmeldung. Über CVE-2026-9854 werden Nutzer mit Zugriff auf die Engineering-Tools Windows-Administrator (beide CVSS v4 8,5). Dazu kommt eine CSV Injection im Log-Export (CVE-2026-9852). Hitachi Energy nennt Version 10.8 als Update für CVE-2026-9852; für die übrigen CVEs die Herstellerhinweise im Advisory beachten.
Bedeutung: Ein Angriff von außen ist damit nicht möglich. Wer aber schon im Leittechniknetz ist, etwa über einen kompromittierten Fernwartungs-Zugang wie bei BeyondTrust, kann sich auf dem SYS600-Server vollständige Kontrolle verschaffen. Die Lücken verlängern also eine Angriffskette, die woanders beginnt.
Empfehlung: Prüfen, welche Windows-Konten lokal auf den SYS600-Servern angemeldet sein dürfen, und Engineering-Rechte auf benannte Personen beschränken (CC2). Das Update auf 10.8 mit dem nächsten geplanten Release-Wechsel testen (CC5).

## Trends

- Fernzugänge sind derzeit der Haupteinstieg: BeyondTrust, GlobalProtect und FortiGate (PEERSTITCH-Backdoor über gestohlene FortiManager-Konfigurationen, CVE-2025-61624 laut Rescana seit 16.10. im KEV) werden aktiv ausgenutzt (https://thehackernews.com/2026/10/attackers-exploit-fortios-flaw-to.html).
- Ein Patch reicht bei Edge Devices oft nicht mehr, weil die Angreifer Zugangsdaten abziehen und Spuren hinterlassen, die Neustarts und Updates überstehen; Rapid7 und Unit 42 raten deshalb ausdrücklich zu einer Prüfung auf Kompromittierung.
- Bei Stationstechnik kommen die Lücken immer häufiger aus Fremdbibliotheken (OpenSSL, libxml2, libcurl in der RTU500, Eclipse Milo in OPC-UA-Produkten), sodass SBOM-Abfragen beim Hersteller an Bedeutung gewinnen.
- Deutsche Behörden zeichnen internationale Ransomware-Advisories mit (LKA Rheinland-Pfalz bei SafePay); das ist ein direkter Hinweis auf Opfer im DACH-Raum.
## Fragen für das nächste Jour fixe

- Über welche Produkte greifen unsere Dienstleister auf die Leittechnik zu, und ist eines davon BeyondTrust, GlobalProtect oder FortiGate?
- Wer hat geprüft, ob unsere Firewall-Management-Interfaces aus dem Internet erreichbar sind, und wann zuletzt?
- Welche RTU500, SYS600 und S7-1500 haben wir im Einsatz, mit welcher Firmware, und haben wir das im Asset-Inventar?
- Können wir die Netzleitstelle betreiben, wenn die Unternehmens-IT einschließlich VPN und Backups mehrere Tage ausfällt?
- Haben wir von unseren Leittechnik-Herstellern eine SBOM oder zumindest eine Aussage zu Eclipse Milo und libIEC61850?
## Maßnahmen dieser Woche

- BeyondTrust-Appliances patchen (BT26-05-RS), auf SAWFLY/BARECLAW und gelöschte Logs prüfen und alle im Vault gespeicherten Zugangsdaten wechseln.
- PAN-OS auf Fixed Release bringen, GlobalProtect-Logs auf Auffälligkeiten durchsuchen und die Ports 4443/3879 des Management-Interfaces von außen testen.
- VPN-Zugänge ohne MFA sperren und die im SafePay-Advisory genannten Edge-CVEs mit dem Asset-Inventar abgleichen.
- Webserver auf S7-1500- und ET-200SP-CPUs abschalten oder auf das Engineering-Netz beschränken, bis Siemens Patches liefert.
- Firmware-Stand aller RTU500-CMUs erfassen und das Update auf die Fix-Version laut Advisory (unter anderem 13.9.1) in die Wartungsplanung der Umspannwerke aufnehmen.
## Empfehlungen

- HOCH · Compromise Assessment für BeyondTrust- und GlobalProtect-Systeme durchführen und Zugangsdaten der OT-Jump-Hosts wechseln (CC4) (sofort)
- HOCH · Management-Interfaces aller Firewalls und VPN-Gateways aus dem Internet entfernen und regelmäßig von außen prüfen lassen (CC2) (sofort)
- HOCH · MFA für alle VPN-Zugänge erzwingen und Offline-Backups für Systeme an der Grenze zur Leittechnik einrichten (CC1) (0 bis 3 Monate)
- MITTEL · Firmware-Updates RTU500 und SYS600 nach Kritikalität der Stationen planen und den S7-1500-Webserver bis zum Patch abschotten (CC5) (0 bis 3 Monate)
- MITTEL · SBOM-Abfrage an alle Leittechnik- und Gateway-Hersteller als festen Prozess einführen (CC5) (3 bis 6 Monate)Vollständiger Bericht als PDF (/berichte/woche-strom-kw-43-2026/2026-10-23_OT-Cyber-Wochenbericht_strom.pdf)
[Bild: Max Gilg]Über den Autor
Max Gilg ist OT-Cybersecurity-Experte aus Rosenheim und in der Anlagentechnik zu Hause, dort, wo IT die echte Welt sabotiert. Seit über 15 Jahren schützt er Strom, Wasser und Industrie, herstellerunabhängig. Sein Team aus Elektrikern, Elektronikern, Informatikern, Incident Respondern und Auditoren setzt den Schutz vor Ort um. Für Redaktionen ordnet er Angriffe kurzfristig ein. Mehr über Max Gilg → (/max-gilg/)
