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# OT-Wochenbericht Kommunale Versorger und KRITIS, KW 45/2026
Berichtszeitraum 30.10.2026 bis 06.11.2026 · Für: Stadtwerke, Wasser- und Abwasserbetriebe, KRITIS-Betreiber · TLP:CLEAR (öffentliche Quellen)
Lage: erhöht

## Executive Summary
In KW 45 zeigte sich in Deutschland, wie gefährlich der Fernwartungszugang eines Dienstleisters ist. Laut dpa fielen in Märkten in Wuppertal, Wetter bei Hagen, Niederbayern, dem Münsterland und der Westpfalz die Kühlanlagen aus, vermutlich durch einen Hack. In Wetter-Volmarstein heißt es, der Angriff habe der Firma gegolten, die die Anlagen aus der Ferne wartet. Das BSI kennt einzelne Vorfälle bei Supermärkten und in der Pharmabranche. Es beschreibt die Angreifer als opportunistisch: Sie suchen nach verwundbaren Systemen, ohne vorher eine Branche auszuwählen. Davon sind auch Gebäudeleittechnik und Kältetechnik bei Stadtwerken und Wasserversorgern betroffen.
In der Woche wurden mehrere Schwachstellen in Edge-Geräten aktiv ausgenutzt: Ivanti Connect Secure (zwei CVEs im KEV-Katalog der CISA seit 30.10.), Siemens SIMATIC IoT2050 Advanced mit Node-RED (CVE-2026-58115, CVSS 10, erster Angriff laut VulnCheck am 30.10.) und Zyxel-Switches GS1900 (996 Geräte kompromittiert). Die Stadtwerke Waldbröl wurden laut Geschäftsführung über gestohlene Kundendaten erpresst, die Versorgung lief ohne Unterbrechung weiter (Oberberg-Aktuell, 30.10.).
Gesamtbewertung: Die Lage ist erhöht, aber nicht kritisch: In DACH ist kein Eingriff in die Leittechnik eines Versorgers belegt, wohl aber in Kältetechnik über die Fernwartung. Zuerst kommen die Fernzugänge von Dienstleistern und die aus dem Internet erreichbaren Edge-Geräte (Ivanti, IoT2050/Node-RED, Sophos UTM, Zyxel) an die Reihe.
Empfehlung an die Geschäftsführung: Die Geschäftsführung sollte diese Woche eine vollständige Übersicht aller Fernwartungszugänge von Dienstleistern und aller aus dem Internet erreichbaren Edge-Geräte anfordern. Für die Dienstleister sollten MFA und eine Freischaltung pro Einsatz vertraglich festgeschrieben werden.

## Relevanz im Überblick
Nr.ThemaWoRelevanzHandlungFrist
L-01Kühlanlagen in deutschen Märkten gehackt, Angriff lief offenbar über den FernwartungsdienstleisterFernwartung Kälte- und Gebäudetechnik durch DienstleisterHOCHFernzugänge von Dienstleistern erfassen und absichernsofort
L-02Siemens SIMATIC IoT2050 Advanced: Node-RED-Lücke CVE-2026-58115 (CVSS 10) wird ausgenutzt (erster Angriff laut VulnCheck am 30.10.)IoT-Gateways an Pumpwerken, Kläranlagen, AußenstationenKRITISCHAuf V4.3.4-1 aktualisieren, Node-RED vom Netz nehmen, Flows prüfensofort
L-03Ivanti Connect Secure: zwei ausgenutzte Lücken im KEV-Katalog der CISA (30.10.)VPN-Gateway für Fernwartung und Remote AccessHOCHPatchen, Logs prüfen, Zugangsdaten zurücksetzensofort
L-04Stadtwerke Waldbröl (NRW) erpresst, Kundendaten abgeflossenKunden-IT / AbrechnungHOCHDatenabfluss-Szenario in der Incident Response üben2 Wochen
L-05BSI: Kühlsystem-Angriffe auch in der Pharmabranche, Angreifer gehen opportunistisch vorAus dem Internet erreichbare Steuerungen der Gebäude- und KältetechnikMITTELExterne Erreichbarkeit der eigenen Steuerungen prüfen1 Woche
L-06Zyxel GS1900: Zero-Day CVE-2026-107441, 996 Switches in 48 Ländern kompromittiertSwitches in Leitwarte, Außenstationen, KleinnetzenHOCHFirmware vom 22.10. einspielen, Zugangsdaten ändern1 Woche

## Exponierte OT-Systeme (Shodan)
Exponierte OT-Systeme (Shodan, Stand 06.11.2026):

Region
Gesamt
Top-Protokolle

Deutschland
143185
DNP3: 32440, OMRON FINS: 26119, ProConOS: 16052, Siemens S7: 7764, OPC UA: 5141

Österreich
4790
HMI/VNC: 1046, DNP3: 970, Niagara Fox: 472, Siemens S7: 387, OPC UA: 158

Gezählt werden aus dem Internet erreichbare Dienste typischer OT-Protokolle. Die Zahlen sind ein Indikator für Angriffsfläche, kein Nachweis einer Verwundbarkeit. Keine Einzelsysteme genannt. Siemens S7 = Port 102 (alle ISO-TSAP-Dienste, nicht nur echte S7-Steuerungen), OPC UA = Standardport 4840.

## Lage im Detail

### L-01 Kühlanlagen in deutschen Märkten gehackt, Angriff lief offenbar über den Fernwartungsdienstleister
HOCH · Handelsblatt (dpa), 03.11. (https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/hacker-attacke-cyberangriffe-auch-auf-kuehlanlagen-deutscher-supermaerkte/100266999.html)
Was ist neu: Laut dpa fielen in Wuppertal, Wetter bei Hagen, Niederbayern, dem Münsterland und der Westpfalz Kühlanlagen aus, vermutlich durch einen Hack. Im Markt in Wetter-Volmarstein hieß es, der eigentliche Angriff habe der Firma gegolten, die die Kühlanlagen aus der Ferne wartet. Wer dahintersteckt, ist laut Artikel unklar.
Bedeutung: Stadtwerke, Wasserversorger und Bäder lassen Kälte-, Lüftungs- und Gebäudeleittechnik oft von Dienstleistern fernwarten. Wird so ein Dienstleister kompromittiert, kommen die Angreifer bei allen seinen Kunden an, auch wenn diese selbst gut aufgestellt sind.
Empfehlung: Liste aller Fernwartungszugänge von Dienstleistern anlegen, Dauerverbindungen trennen und den Zugang nur noch über ein eigenes Gateway mit MFA und Freischaltung pro Einsatz erlauben (CC4).

### L-02 Siemens SIMATIC IoT2050 Advanced: Node-RED-Lücke CVE-2026-58115 (CVSS 10) wird ausgenutzt (erster Angriff laut VulnCheck am 30.10.)
KRITISCH · VulnCheck, 02.11. (https://www.vulncheck.com/blog/exploitation-targeting-node-red)
Was ist neu: Laut VulnCheck wurde die fehlende Authentifizierung an der Node-RED-HTTP-Schnittstelle am 30. Oktober erstmals ausgenutzt, bis 1. November zählte VulnCheck auf seinen Honeypots insgesamt 16 Angriffsversuche von derselben IP. Zuerst wurde ein Linux-Bot nachgeladen, später eine Backdoor über einen Node-RED-Flow, die einen Neustart übersteht. Siemens behebt die Lücke mit V4.3.4-1 (SSA-834709).
Bedeutung: IoT2050-Gateways mit Node-RED binden in Wasser-, Abwasser- und Energieanlagen häufig Messdaten an oder werden für die Fernwartung genutzt. Eine Backdoor auf so einem Gateway ist ein direkter Brückenkopf ins OT-Netz.
Empfehlung: Alle IoT2050 im Asset-Inventar suchen, auf V4.3.4-1 oder neuer bringen und Node-RED nur intern mit aktivierter Anmeldung betreiben. Bei Geräten, die von außen erreichbar waren, nach unbekannten Flows und Webshells suchen und die Geräte im Zweifel neu aufsetzen (CC5, CC3).

### L-03 Ivanti Connect Secure: zwei ausgenutzte Lücken im KEV-Katalog der CISA (30.10.)
HOCH · CISA, 30.10. (https://www.cisa.gov/news-events/alerts/2026/10/30/cisa-adds-two-known-exploited-vulnerabilities-catalog)
Was ist neu: Die CISA hat CVE-2026-111357 (Missing Authentication for Critical Function) und CVE-2026-118527 (Generation of Predictable Numbers or Identifiers) für Ivanti Connect Secure in den KEV-Katalog aufgenommen. Der Eintrag heißt: Beide Lücken werden aktiv ausgenutzt.
Bedeutung: Viele Stadtwerke nutzen Ivanti Connect Secure als VPN für Mitarbeiter und Dienstleister. Wer die Anmeldung umgehen kann, steht direkt im internen Netz und oft auch vor dem Jump Host zur Leittechnik.
Empfehlung: Ivanti-Fixes einspielen und mit dem Integrity Checker prüfen. Bei Verdacht die Zugangsdaten aller VPN- und Domänenkonten zurücksetzen, denn ein Patch macht gestohlene Daten nicht ungültig (CC4, CC1).

### L-04 Stadtwerke Waldbröl (NRW) erpresst, Kundendaten abgeflossen
HOCH · Oberberg-Aktuell, 30.10. (https://www.oberberg-aktuell.de/blaulicht/stadtwerke-wurden-von-russischer-hackerbande-erpresst-a-139763)
Was ist neu: Laut Geschäftsführer Mirco Kujbida wurden die Stadtwerke vor rund drei Wochen von einer finanziell motivierten, russischen Hackerbande erpresst. Forensiker haben den Diebstahl von Kundendaten bestätigt, das LKA ermittelt. Die Versorgung war laut Kujbida zu keinem Zeitpunkt unterbrochen oder gefährdet.
Bedeutung: Der Fall folgt dem bekannten Muster bei Stadtwerken: Angegriffen wird die IT, erpresst wird mit Kundendaten, und die Leittechnik bleibt unberührt. Einfallstor und Name der Gruppe sind nicht bekannt.
Empfehlung: Im Incident-Response-Plan den Fall „Erpressung mit Kundendaten“ durchspielen, mit Meldewegen (BSI, Datenschutzbehörde, LKA) und Kundeninformation (CC1).

### L-05 BSI: Kühlsystem-Angriffe auch in der Pharmabranche, Angreifer gehen opportunistisch vor
MITTEL · CORRECTIV, 05.11. (https://correctiv.org/aktuelles/infrastruktur/2026/11/05/hackerangriffe-auf-kuehlsysteme-auch-pharmahaendler-in-deutschland-betroffen/)
Was ist neu: Laut CORRECTIV wurde die Medikamentenkühlung eines Pharmahändlers in Deutschland angegriffen. Ein BSI-Sprecher bestätigte einzelne Vorfälle bei Supermärkten und in der Pharmabranche. Laut BSI gehen die Angreifer ungezielt und opportunistisch vor, oft ohne zu wissen, welche Firma sie treffen. Für die Bekenntnisse prorussischer Telegram-Kanäle liegen laut einem BSI-Sprecher gegenüber CORRECTIV keine Belege vor.
Bedeutung: Wenn die Angreifer wahllos scannen, ist die Branche egal: Jede Steuerung, die aus dem Internet erreichbar ist, wird zum Ziel. Das gilt auch für Gebäudeleittechnik in Wasserwerken, Bädern und Verwaltungsgebäuden.
Empfehlung: Die eigenen IP-Bereiche von außen scannen (lassen) und dabei nach erreichbaren HMI-, GLT- und Kälteoberflächen suchen. Was nicht über ein abgesichertes Gateway erreichbar ist, kommt vom Netz (CC2).

### L-06 Zyxel GS1900: Zero-Day CVE-2026-107441, 996 Switches in 48 Ländern kompromittiert
HOCH · BleepingComputer, 04.11. (https://www.bleepingcomputer.com/news/security/zyxel-fixes-zero-day-exploited-to-hack-nearly-1-000-network-switches/)
Was ist neu: Angreifer nutzten seit etwa 17. August einen Out-of-bounds Write im Web-Management der GS1900 aus und kompromittierten laut GreyNoise 996 Geräte in 48 Ländern. Fixes gibt es seit 22. Oktober, das Advisory folgte am 3. November. Die Juni-Updates für CVE-2026-7273 schützen nicht.
Bedeutung: GS1900 sind günstige Switches, die auch in Außenstationen und kleinen Leitwarten stehen. Gestohlene Konfigurationen und Zugangsdaten erleichtern Lateral Movement.
Empfehlung: GS1900 im Asset-Inventar suchen, die Firmware vom 22.10. einspielen, die Management-Oberfläche nur aus dem Verwaltungsnetz erreichbar machen und gespeicherte Zugangsdaten ändern (CC5).

## Trends

- Angreifer gehen über Fernwartungsdienstleister: Ein kompromittierter Dienstleister öffnet den Weg zu allen seinen Kunden.
- Edge-Geräte (VPN, Gateways, Switches, Firewalls) sind diese Woche der häufigste Angriffsweg, teils mit Zero-Days und monatelanger unbemerkter Ausnutzung.
- Laut BSI wird opportunistisch gescannt: Wer erreichbar und verwundbar ist, wird getroffen, egal in welcher Branche.
- Ransomware-Gruppen erpressen Stadtwerke mit Kundendaten, die Leittechnik bleibt dabei bisher meist unberührt.
## Fragen für das nächste Jour fixe

- Welche Dienstleister haben heute Fernzugang zu unserer Gebäude-, Kälte- oder Leittechnik, und wie ist der Zugang abgesichert?
- Laufen bei uns Ivanti Connect Secure, Sophos UTM, Siemens IoT2050 oder Zyxel GS1900, und auf welchem Patchstand?
- Welche unserer Steuerungen sind von außen erreichbar, und wann haben wir das zuletzt selbst gescannt?
- Ist der Fall „Erpressung mit Kundendaten“ in unserem Incident-Response-Plan geübt, mit Meldewegen und Kundeninformation?
## Maßnahmen dieser Woche

- Ivanti Connect Secure patchen, Integrity Check laufen lassen und VPN-Zugangsdaten bei Verdacht zurücksetzen.
- Alle Siemens IoT2050 auf V4.3.4-1 bringen und Node-RED nur intern mit aktivierter Anmeldung betreiben, erreichbare Geräte auf unbekannte Flows prüfen.
- Liste der Fernwartungszugänge von Dienstleistern erstellen und Dauerverbindungen trennen.
- Eigene öffentliche IP-Bereiche nach erreichbaren HMI-, GLT- und Kälteoberflächen scannen.
- Zyxel GS1900 auf die Firmware vom 22.10. bringen und Sophos UTM manuell patchen oder den E-Mail-Proxy abschalten.
## Empfehlungen

- HOCH · Fernwartung von Dienstleistern nur noch über ein eigenes Gateway mit MFA und Freischaltung pro Einsatz erlauben [CC4 Secure Remote Access] (0 bis 3 Monate)
- HOCH · Ausgenutzte Edge-Geräte (Ivanti, IoT2050/Node-RED, Zyxel GS1900) sofort patchen und auf Kompromittierung prüfen [CC5 Risk-Based Vulnerability Management] (sofort)
- HOCH · Externe Erreichbarkeit von Steuerungen und Gebäudeleittechnik regelmäßig scannen und alles Erreichbare hinter ein Gateway legen [CC2 Defensible Architecture] (sofort)
- MITTEL · Szenario „Erpressung mit Kundendaten“ in einer Incident-Response-Übung durchspielen [CC1 ICS Incident Response] (0 bis 3 Monate)Vollständiger Bericht als PDF (/berichte/woche-versorger-kw-45-2026/2026-11-06_OT-Cyber-Wochenbericht_versorger.pdf)
[Bild: Max Gilg]Über den Autor
Max Gilg ist OT-Cybersecurity-Experte aus Rosenheim und in der Anlagentechnik zu Hause, dort, wo IT die echte Welt sabotiert. Seit über 15 Jahren schützt er Strom, Wasser und Industrie, herstellerunabhängig. Sein Team aus Elektrikern, Elektronikern, Informatikern, Incident Respondern und Auditoren setzt den Schutz vor Ort um. Mehr über Max Gilg → (/max-gilg/)
