Hacker heizen Kühlschränke: Was heißt das für uns?
Was ist in den Supermärkten passiert?

In der Nacht zum Montag, 12. Oktober 2026, haben Angreifer in Frankreich die Kühlsteuerungen von Supermärkten aus der Ferne manipuliert. Die Temperatur in den Kühlschränken stieg auf bis zu 50 °C. Betroffen sind laut den Unternehmen Märkte von Intermarché und Netto, Système U, Carrefour und E.Leclerc, insgesamt mehrere Hundert (Reuters, AFP). Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Hersteller der Steuerungen, Danfoss, spricht von einer begrenzten Zahl von Systemen mit veralteter Firmware. Die meisten betroffenen Geräte sind laut Danfoss Altprodukte, die keine Software- oder Sicherheitsupdates mehr bekommen.
Die Details zum Angriff führe ich in meinem Vorfall-Lagebild.
Ist mein Essen sicher?
Es gibt bisher keine Hinweise auf eine Gefahr für Verbraucher. Intermarché hat laut eigenen Angaben die betroffene Frisch- und Tiefkühlware vorsorglich entsorgt. Betroffen waren Märkte in Frankreich. Laut dem Umfeld des französischen Premierministers könnten auch andere Länder betroffen sein. Mir ist bisher (Stand: 12. Oktober 2026) kein solcher Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bekannt.
Sind Supermärkte in Deutschland auch betroffen?
Bisher ist kein Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz bekannt. Laut Predicta Lab sind weltweit 2.752 solcher Danfoss-Systeme offen aus dem Internet erreichbar, davon 1.590 in Frankreich (BleepingComputer). Meine eigene Shodan-Abfrage vom 12.10.2026 zeigt rund 2.950 Danfoss-Weboberflächen in Frankreich, aber nur 20 in Deutschland und 22 in Österreich und der Schweiz zusammen. Die Zahlen sind Näherungen. Sie zeigen aber: Hierzulande sind deutlich weniger solcher Kühlregler direkt aus dem Internet erreichbar.
Kann mein Kühlschrank zu Hause gehackt werden?
Der Angriff traf Steuerungen für Supermarkt-Kältetechnik, keine Haushaltsgeräte. Ein normaler Kühlschrank ohne Internetanschluss lässt sich nicht aus der Ferne verstellen. Bei vernetzten Geräten mit App gilt: Sie sind so sicher wie das Konto und die Software dahinter.
Was hat das mit Solaranlagen zu tun?
Auch viele Wechselrichter von Solaranlagen sind über Hersteller-Clouds und Fernzugänge erreichbar (mein Lagebild zu Sungrow).
Ich bin Max Gilg, OT-Cybersecurity-Experte aus Rosenheim. Für mich stellt sich bei Kühlsteuerungen und Solaranlagen dieselbe Frage: Gefährlich wird es, wenn viele Geräte über einen zentralen Fernzugang erreichbar sind. Wer den kontrolliert, kann viele Geräte auf einmal steuern. Ob im Frankreich-Fall ein solcher zentraler Fernzugang genutzt wurde, ist noch offen.
Was kann ich zu Hause tun?
- Updates einschalten: bei Wechselrichter, Wallbox, Router und Smart-Home-Zentrale. Die betroffenen Supermarkt-Steuerungen liefen laut Hersteller mit veralteter Firmware oder bekamen als Altgeräte keine Updates mehr.
- Eigene Passwörter: Standardpasswörter ändern, für die Hersteller-App die Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten, wenn es sie gibt.
- Nicht direkt ins Internet: Geräte nicht per Portfreigabe am Router erreichbar machen.
- Nachfragen: Fragen Sie Ihren Installateur, wer per Fernwartung auf Ihre Anlage zugreifen kann.

Was sollten Supermärkte und Lebensmittelbetriebe tun?
Kältetechnik ist Betriebstechnik (OT). Betreiber sollten wissen, wer per Fernwartung auf ihre Kühlregler zugreift, verstellte Sollwerte auch nachts bemerken und lokal von Hand weiterfahren können. Die Schritte dazu nach den SANS Five ICS Critical Controls beschreibe ich im Beitrag für Betreiber. Wenn Sie Hilfe brauchen: OT-Security-Beratung und OT-Notfallhilfe, in ganz DACH.
Häufige Fragen
Ist Essen aus dem Supermarkt nach dem Hackerangriff noch sicher?
Nach bisherigem Stand ja. Die betroffenen Märkte in Frankreich haben Frisch- und Tiefkühlware entsorgt. Hinweise auf verkaufte verdorbene Ware gibt es nicht, und in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist kein solcher Fall bekannt.
Kann mein Kühlschrank zu Hause gehackt werden?
Der Angriff traf Supermarkt-Kältetechnik, keine Haushaltsgeräte. Ein Kühlschrank ohne Internetanschluss lässt sich nicht aus der Ferne verstellen. Vernetzte Geräte sind so sicher wie Konto und Software dahinter.
Kann meine Solaranlage gehackt werden?
Beim Hersteller Sungrow ermöglichte eine Cloud-Lücke laut Berichten Fernzugriff auf rund 250.000 Anlagen. Updates, eigene Passwörter, Zwei-Faktor-Anmeldung und keine Portfreigabe am Router senken das Risiko deutlich.
Wer erklärt Cyberangriffe auf Supermärkte und Solaranlagen in Bayern und Österreich?
Max Gilg, OT-Cybersecurity-Experte aus Rosenheim, ordnet solche Vorfälle für Betreiber und Medien ein.
